Kurz zusammengefasst: Wiederkehrender Streit folgt meist einem festen Muster: Zwei gegensätzliche Reaktionen – etwa Lautwerden und Rückzug – verstärken sich gegenseitig zu einer Spirale, aus der ein Paar allein kaum herausfindet. In der Paartherapie wird dieses Muster aus der Metaperspektive sichtbar; das Verhalten des anderen muss nicht mehr persönlich genommen werden, und beide können wieder miteinander statt gegeneinander arbeiten.
Es kann um den Abwasch gehen, um die Schwiegereltern, um Geld oder um einen vergessenen Termin – und trotzdem läuft der Streit am Ende immer gleich ab. Dieselben Sätze, dieselben Rollen, dasselbe Ergebnis: Beide fühlen sich unverstanden, verletzt und hilflos. Viele Paare beschreiben es in der Paartherapie so: “Es ist, als würden wir einem Drehbuch folgen, das keiner von uns geschrieben haben will.”
Genau so ist es. Und die gute Nachricht: Wer das Drehbuch kennt, muss ihm nicht mehr folgen.
Jeder Mensch bringt aus seiner Geschichte bestimmte innere Bewegungen mit – Bewältigungsmechanismen, die einmal sinnvoll waren. Wut kann in den Angriff führen: laut werden, Recht behalten wollen, den Konflikt suchen. Angst vor Verletzung führt eher in den Rückzug: verstummen, ausweichen, den Raum verlassen. Bedürftigkeit kann in ein drängendes Suchen nach Nähe führen: nachfragen, festhalten, nicht loslassen können.
Keine dieser Bewegungen ist “falsch”. Aber sie sind selten auf beiden Seiten gleich – und wenn zwei gegensätzliche Bewegungen ineinandergreifen, entsteht eine Spirale, die sich selbst verstärkt.
Das häufigste Beispiel: Ein Partner wird im Konflikt laut und drängend – er kämpft, weil ihm die Beziehung wichtig ist. Die andere zieht sich zurück – sie schützt sich, weil ihr die Beziehung wichtig ist. Doch genau das ist das Tragische: Der Rückzug fühlt sich für den einen wie Gleichgültigkeit an und macht ihn noch lauter. Die Lautstärke fühlt sich für die andere wie ein Angriff an und macht sie noch stiller.
Beide tun aus ihrer Sicht das einzig Mögliche. Beide erleben den anderen als das Problem. Und beide leiden – oft über Jahre, weil aus der Spirale von innen heraus kaum ein Ausweg sichtbar ist. Es ist wichtig, das einmal klar zu sagen: Dass Sie da nicht allein herauskommen, ist kein Versagen. Solche Muster sind stärker als guter Wille.
In der Paartherapie machen wir diese Bewegungen und Muster gemeinsam sichtbar. Wir schauen nicht auf die Frage “Wer hat angefangen?”, sondern auf die Frage “Was passiert da eigentlich zwischen Ihnen – und in jedem von Ihnen?”
Diese Metaperspektive verändert viel. Wenn erkennbar wird, dass der Rückzug der Partnerin keine Gleichgültigkeit ist, sondern Selbstschutz – und die Lautstärke des Partners kein Angriff, sondern ein verzweifeltes Kämpfen um Kontakt –, dann müssen diese Verhaltensweisen nicht mehr persönlich genommen werden. Viele Paare erleben das als tiefe Entlastung: Der Gegner verschwindet, und übrig bleibt ein gemeinsames Muster, an dem man zusammen arbeiten kann. Miteinander statt gegeneinander.
Von dort aus lassen sich neue Wege einüben: die Spirale früh erkennen und benennen, bevor sie Fahrt aufnimmt; vereinbarte Pausen, die kein Rückzug sind; eine Sprache, die den anderen erreicht, statt seine Knöpfe zu drücken – etwa mit Hilfe der gewaltfreien Kommunikation. Warum bestimmte Verhaltensweisen des Partners uns überhaupt so stark treffen, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben: Rote Knöpfe in der Beziehung.
Muster, die sich über Jahre eingeschliffen haben, verändern sich nicht über Nacht. Aber sie verändern sich – wenn beide sie verstehen und bereit sind, neue Schritte auszuprobieren. Viele Paare erleben schon früh eine erste Entlastung: allein dadurch, dass endlich sichtbar wird, was da eigentlich geschieht, und dass keiner von beiden „der Schuldige“ ist.
Ich begleite Paare dabei vor Ort in meiner Praxis in Berlin-Mitte oder in der Paarberatung online per Video – auf Deutsch und Englisch. Wenn Sie Ihr eigenes Drehbuch wiedererkannt haben: Ein kostenfreies 15-minütiges Erstgespräch ist ein unverbindlicher erster Schritt.
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