War­um Streit immer gleich abläuft: Bezie­hungs­mus­ter erken­nen und in der Paar­the­ra­pie verändern
Johan­nes von Gwinner
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War­um Streit immer gleich abläuft: Bezie­hungs­mus­ter erken­nen und in der Paar­the­ra­pie verändern
Johan­nes von Gwinner
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Paartherapie und Psychotherapie in Berlin oder online - Johannes von Gwinner

Warum Streit immer gleich abläuft: Beziehungsmuster erkennen und in der Paartherapie verändern

Kurz zusam­men­ge­fasst: Wie­der­keh­ren­der Streit folgt meist einem fes­ten Mus­ter: Zwei gegen­sätz­li­che Reak­tio­nen – etwa Laut­wer­den und Rück­zug – ver­stär­ken sich gegen­sei­tig zu einer Spi­ra­le, aus der ein Paar allein kaum her­aus­fin­det. In der Paar­the­ra­pie wird die­ses Mus­ter aus der Meta­per­spek­ti­ve sicht­bar; das Ver­hal­ten des ande­ren muss nicht mehr per­sön­lich genom­men wer­den, und bei­de kön­nen wie­der mit­ein­an­der statt gegen­ein­an­der arbeiten.

Es kann um den Abwasch gehen, um die Schwie­ger­el­tern, um Geld oder um einen ver­ges­se­nen Ter­min – und trotz­dem läuft der Streit am Ende immer gleich ab. Die­sel­ben Sät­ze, die­sel­ben Rol­len, das­sel­be Ergeb­nis: Bei­de füh­len sich unver­stan­den, ver­letzt und hilf­los. Vie­le Paa­re beschrei­ben es in der Paar­the­ra­pie so: “Es ist, als wür­den wir einem Dreh­buch fol­gen, das kei­ner von uns geschrie­ben haben will.”

Genau so ist es. Und die gute Nach­richt: Wer das Dreh­buch kennt, muss ihm nicht mehr folgen.

Woher die Muster kommen

Jeder Mensch bringt aus sei­ner Geschich­te bestimm­te inne­re Bewe­gun­gen mit – Bewäl­ti­gungs­me­cha­nis­men, die ein­mal sinn­voll waren. Wut kann in den Angriff füh­ren: laut wer­den, Recht behal­ten wol­len, den Kon­flikt suchen. Angst vor Ver­let­zung führt eher in den Rück­zug: ver­stum­men, aus­wei­chen, den Raum ver­las­sen. Bedürf­tig­keit kann in ein drän­gen­des Suchen nach Nähe füh­ren: nach­fra­gen, fest­hal­ten, nicht los­las­sen können.

Kei­ne die­ser Bewe­gun­gen ist “falsch”. Aber sie sind sel­ten auf bei­den Sei­ten gleich – und wenn zwei gegen­sätz­li­che Bewe­gun­gen inein­an­der­grei­fen, ent­steht eine Spi­ra­le, die sich selbst verstärkt.

Die Spirale: Wie sich zwei Muster gegenseitig hochschaukeln

Das häu­figs­te Bei­spiel: Ein Part­ner wird im Kon­flikt laut und drän­gend – er kämpft, weil ihm die Bezie­hung wich­tig ist. Die ande­re zieht sich zurück – sie schützt sich, weil ihr die Bezie­hung wich­tig ist. Doch genau das ist das Tra­gi­sche: Der Rück­zug fühlt sich für den einen wie Gleich­gül­tig­keit an und macht ihn noch lau­ter. Die Laut­stär­ke fühlt sich für die ande­re wie ein Angriff an und macht sie noch stiller.

Bei­de tun aus ihrer Sicht das ein­zig Mög­li­che. Bei­de erle­ben den ande­ren als das Pro­blem. Und bei­de lei­den – oft über Jah­re, weil aus der Spi­ra­le von innen her­aus kaum ein Aus­weg sicht­bar ist. Es ist wich­tig, das ein­mal klar zu sagen: Dass Sie da nicht allein her­aus­kom­men, ist kein Ver­sa­gen. Sol­che Mus­ter sind stär­ker als guter Wille.

Die Metaperspektive der Paartherapie: der Blick von außen auf das eigene Drehbuch

In der Paar­the­ra­pie machen wir die­se Bewe­gun­gen und Mus­ter gemein­sam sicht­bar. Wir schau­en nicht auf die Fra­ge “Wer hat ange­fan­gen?”, son­dern auf die Fra­ge “Was pas­siert da eigent­lich zwi­schen Ihnen – und in jedem von Ihnen?”

Die­se Meta­per­spek­ti­ve ver­än­dert viel. Wenn erkenn­bar wird, dass der Rück­zug der Part­ne­rin kei­ne Gleich­gül­tig­keit ist, son­dern Selbst­schutz – und die Laut­stär­ke des Part­ners kein Angriff, son­dern ein ver­zwei­fel­tes Kämp­fen um Kon­takt –, dann müs­sen die­se Ver­hal­tens­wei­sen nicht mehr per­sön­lich genom­men wer­den. Vie­le Paa­re erle­ben das als tie­fe Ent­las­tung: Der Geg­ner ver­schwin­det, und übrig bleibt ein gemein­sa­mes Mus­ter, an dem man zusam­men arbei­ten kann. Mit­ein­an­der statt gegeneinander.

Von dort aus las­sen sich neue Wege ein­üben: die Spi­ra­le früh erken­nen und benen­nen, bevor sie Fahrt auf­nimmt; ver­ein­bar­te Pau­sen, die kein Rück­zug sind; eine Spra­che, die den ande­ren erreicht, statt sei­ne Knöp­fe zu drü­cken – etwa mit Hil­fe der gewalt­frei­en Kom­mu­ni­ka­ti­on. War­um bestimm­te Ver­hal­tens­wei­sen des Part­ners uns über­haupt so stark tref­fen, habe ich in einem eige­nen Bei­trag beschrie­ben: Rote Knöp­fe in der Bezie­hung.

Veränderung ist möglich – Schritt für Schritt

Mus­ter, die sich über Jah­re ein­ge­schlif­fen haben, ver­än­dern sich nicht über Nacht. Aber sie ver­än­dern sich – wenn bei­de sie ver­ste­hen und bereit sind, neue Schrit­te aus­zu­pro­bie­ren. Vie­le Paa­re erle­ben schon früh eine ers­te Ent­las­tung: allein dadurch, dass end­lich sicht­bar wird, was da eigent­lich geschieht, und dass kei­ner von bei­den „der Schul­di­ge“ ist.

Ich beglei­te Paa­re dabei vor Ort in mei­ner Pra­xis in Ber­lin-Mit­te oder in der Paar­be­ra­tung online per Video – auf Deutsch und Eng­lisch. Wenn Sie Ihr eige­nes Dreh­buch wie­der­erkannt haben: Ein kos­ten­frei­es 15-minü­ti­ges Erst­ge­spräch ist ein unver­bind­li­cher ers­ter Schritt.

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