Was ist die Erickson’sche Hypnose und was charakterisiert sie?

Die Erickson’sche Hyp­no­the­ra­pie (oder indi­rek­te, meta­pho­ri­sche Hyp­no­se) ist die Bezeich­nung für eine ganz bestimm­te Art von Hyp­no­se, die sich durch die Ver­wen­dung von indi­rek­ter Sug­ges­ti­on, Meta­pher und Geschich­ten­er­zäh­len aus­zeich­net, im Gegen­satz zu der direk­ten Sug­ges­ti­on, die ihr Vor­gän­ger war. Mil­ton Erick­son war der The­ra­peut, der die­sen Hyp­no­se­stil ent­wi­ckel­te, nach­dem er im Alter von nur sieb­zehn Jah­ren durch Polio gelähmt wor­den war.

Als Teen­ager, durch sei­nen Zustand ruhig­ge­stellt, ver­brach­te Mil­ton Erick­son eine lan­ge Zeit damit, die Men­schen um ihn her­um akut zu beob­ach­ten. Da er gezwun­gen war, ein pas­si­ver Beob­ach­ter zu sein, begann er zu bemer­ken, dass die Men­schen nicht immer sag­ten, was sie mein­ten, und dass vie­le Men­schen unter inkon­gru­en­tem Ver­hal­ten litten.

Es wur­de für ihn von gro­ßem Inter­es­se, zu ver­ste­hen, war­um Men­schen so han­del­ten, wie sie es taten, und wie man ein­grei­fen kann, um die Ergeb­nis­se zu beeinflussen.

 

Indi­rek­te Anre­gung vs. direk­te Befeh­le.

 

Indi­rek­te Sug­ges­ti­on wur­de von Erick­son als Mit­tel ein­ge­setzt, um Men­schen zu hel­fen, die einen star­ken Wider­stand gegen Tran­ce hatten.

Anstatt direk­te Befeh­le zu ver­wen­den, wie z.B. “bei drei wer­den Sie Ihre Augen schlie­ßen”, begann er mit Erzäh­lun­gen, die dem Kli­en­ten hel­fen soll­ten, die Kon­trol­le über die Situa­ti­on zu erlan­gen. “Viel­leicht möch­ten Sie Ihre Augen schlie­ßen, wenn Sie spü­ren, dass Ihre Lider schwe­rer werden.

Die­se Art von Sug­ges­ti­on deu­te­te ledig­lich die Mög­lich­keit an, dass sie die Augen schlie­ßen könn­ten, aber sie wirk­te effek­tiv und führ­te ohne bewuss­ten Wider­stand zum gewünsch­ten Ergebnis.

Er ent­wi­ckel­te Wege, die Trans­for­ma­ti­on wäh­rend eines Gesprächs ein­zu­lei­ten, das ober­fläch­lich betrach­tet wie ein nor­ma­les Gespräch aus­sieht. Er war ein Meis­ter dar­in, sei­ne Gesprä­che so zu schich­ten, dass dem Unter­be­wusst­sein gehol­fen wer­den konn­te, ohne dass das Bewusst­sein auf der Hut sein musste.

 

 

Es ist ganz nor­mal, dass Men­schen sich immer wie­der hin­ein und her­aus aus einem Zustand der Tran­ce bewegen. 

 

Wäh­rend sei­ner lan­gen Lauf­bahn eta­blier­te sich Erick­son als her­vor­ra­gen­der The­ra­peut, indem er das Kon­zept ver­trat, dass wir alle vie­le Male am Tag in und aus der Tran­ce gehen, ohne uns des­sen über­haupt bewusst zu sein.

Jeder erlebt Momen­te des Tag­träu­mens oder Zei­ten, in denen wir viel­leicht zu einem Ort fah­ren und uns dann fra­gen, wie wir dort­hin gekom­men sind. Die­se Momen­te deu­ten auf eine Ver­än­de­rung der Gehirn­wel­len hin, die zur Tran­ce oder einem hyp­no­ti­schen Zustand führt. Unser Unter­be­wusst­sein über­nimmt die Kon­trol­le, und unser Bewusst­sein hat kei­ne Erin­ne­rung an die­se Bewusstseinsverschiebung.

Erick­son war auch der Ansicht, dass es sei­ner eige­nen Sin­nes­schär­fe zuträg­lich sei, wenn er wäh­rend der Behand­lung sei­ner Pati­en­ten eben­falls in Tran­ce ginge.

Auf die­se Wei­se wur­de Erick­son selbst auf die kleins­ten kör­per­li­chen Ver­än­de­run­gen auf­merk­sam, die bei sei­nen Kli­en­ten auf­tra­ten, und die­se Ver­än­de­run­gen, wie z.B. Ton­fall, Haut­far­be oder Atem­fre­quenz, wür­den dar­auf hin­wei­sen, dass sein Kli­ent in einen ande­ren Bewusst­seins­zu­stand geriet.

 

Die Ver­wir­rungs­tech­nik.

 

Eine wei­te­re bei Erick­son akkre­di­tier­te Tech­nik ist die Ver­wir­rungs­tech­nik. Bei die­ser Tech­nik wer­den wäh­rend der Hyp­no­se lan­ge, mehr­deu­ti­ge Sät­ze ver­wen­det, um den Zuhö­rer zu ver­wir­ren und sei­ne Ver­ständ­nis­ket­te zu unterbrechen.

Wenn der Kli­ent ver­sucht, der Bedeu­tung kom­ple­xer Sät­ze zu fol­gen, die struk­tu­rell falsch sind und nicht ganz Sinn erge­ben, erlebt er eine men­ta­le Überlastung.

Zu die­sem Zeit­punkt befin­den sie sich in einem hoch­gra­dig auf­merk­sa­men Zustand, der sich her­vor­ra­gend eig­net, um nütz­li­che Vor­schlä­ge ein­zu­schleu­sen und den wach­sa­men Fein­den von Ver­nunft und Logik auszuweichen.

Wäh­rend der Hyp­no­se­ar­beit wir alles benutz, um die Ent­span­nung zu fördern.

 

 

Erick­son wür­de auf Din­ge wie die Hal­tung des Kli­en­ten, die Nei­gung sei­nes Kop­fes, den Win­kel sei­ner Arme zurück­grei­fen — all die­se Din­ge und vie­le mehr kön­nen in die Hyp­no­se­sit­zung ein­ge­ar­bei­tet wer­den, um dem Kli­en­ten eine sehr bedeu­tungs­vol­le und per­sön­li­che Erfah­rung zu vermitteln.

Manch­mal gibt es eine äuße­re Stö­rung, die sich der Kon­trol­le des Hyp­no­the­ra­peu­ten ent­zieht, wie z.B. ein Tele­fon­klin­geln oder das Bel­len eines Hun­des, die die Bera­tung völ­lig unter­bre­chen kann. Die­se kön­nen geschickt genutzt wer­den, um die Hyp­no­se zu vertiefen.

“Und wenn Sie dem Klang des Tele­fon­klin­gelns lau­schen, wer­den Sie wis­sen, dass dies ein Signal für Ihren Kör­per ist, sich noch tie­fer zu ent­span­nen, und mit jedem Klin­geln kön­nen Sie immer tie­fer in einen Zustand der fried­li­chen Ent­span­nung übergehen.“

Manch­mal kann die Stö­rung von den eige­nen Kör­per­re­ak­tio­nen des Kli­en­ten her­rüh­ren. Der Schluck­re­flex oder ein gur­geln­der Magen kann dazu füh­ren, dass sich der Kli­ent unbe­hag­lich oder selbst­be­wusst fühlt.

Das Aus­nut­zen die­ser Situa­tio­nen beru­higt den Kli­en­ten und kann ein Aus­lö­ser für wie­der­hol­te posi­ti­ve Vor­schlä­ge sein.

 

Erickson’sche Fle­xi­bi­li­tät.

 

Einer der inter­es­san­tes­ten Aspek­te der Erickson’schen Hyp­no­se ist die Fle­xi­bi­li­tät, mit der Erick­son ope­rier­te. Er ver­brach­te Zeit damit, die Geschich­te sei­ner Kli­en­ten ken­nen zu ler­nen, und war in der Lage, ihre eige­nen Inter­es­sen und Lebens­er­fah­run­gen zu nut­zen, um ihnen zu hel­fen, sich zu verändern.

Indem er sei­ne Sit­zun­gen geschickt dar­auf abstimm­te, die­se Aspek­te des per­sön­li­chen Lebens der Kli­en­ten ein­zu­be­zie­hen, konn­te er ihnen hel­fen, sich von innen her­aus zu ver­än­dern, indem er ihre eige­nen Res­sour­cen nutz­te, anstatt ihre Denk­wei­se durch sei­nen eige­nen Wil­len zu erzwin­gen und zu überlagern.

 

Erick­sons Gebrauch der Metapher.

 

Kei­ne Dar­stel­lung über die Erickson’sche Hyp­no­se könn­te voll­stän­dig sein, ohne Erick­sons Gebrauch der Meta­pher zu erwähnen.

Er kon­stru­ier­te Geschich­ten, die viel­schich­tig waren und das Bewusst­sein auf einer Ebe­ne regel­recht unter­hiel­ten, aber mit ver­bor­ge­nen Andeu­tun­gen, die unter der Ober­flä­che unbe­merkt mit dem Unter­be­wusst­sein arbeiteten.

Die the­ra­peu­ti­sche Meta­pher ver­wen­det Ver­glei­che, so dass eine Sache durch eine ande­re Sache ersetzt wird. Wenn eine Geschich­te mit Meta­pher erzählt wird, erkennt der Kli­ent daher nicht unbe­dingt, dass die Lösun­gen in der Erzäh­lung, die die ande­re Sache betref­fen, sich auch auf die eige­ne Sache bezie­hen, die das Pro­blem ist.

Auf die­se Wei­se könn­te Erick­son Gesprä­che füh­ren, Wit­ze oder Geschich­ten erzäh­len und nicht ein­mal so aus­se­hen, als ob er das Pro­blem anspricht, und die Ergeb­nis­se, die sei­ne Kli­en­ten erleb­ten, wür­den wie ein Wun­der erscheinen.

 

Erickson’sche Hyp­no­se heute.

 

Die Arbeit von Mil­ton Erick­son hat vie­le Berei­che der heu­ti­gen The­ra­pie inspi­riert, dar­un­ter auch die Neu­ro­lin­gu­is­ti­sche Pro­gram­mie­rung (NLP). Richard Band­ler und John Grind­ler, die die Begrün­der des NLP sind, haben Erick­sons Stil ein­ge­hend stu­diert und vie­le sei­ner Induk­tio­nen und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten in ihr NLP-Set auf­ge­nom­men und das „Mil­ton-Modell“ zu Ehren die­ses revo­lu­tio­nä­ren The­ra­peu­ten benannt.

Die Erickson’sche Hyp­no­se gilt als hoch­wirk­sa­me The­ra­pie­form und ist heu­te der bevor­zug­te Stil vie­ler Hyp­no­the­ra­peu­ten, die die­se lösungs­fo­kus­sier­ten Tech­ni­ken anwen­den, um mit ihren Kli­en­ten opti­ma­le Ergeb­nis­se zu erzielen.

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